Rmms 33

- „Ein Wagen mit Geschichte“ -

Mit dem Rmms 33 präsentierte die Firma PIKO Anfang dieses Jahres einen der bedeutetsten Rungenwagen der jungen Bundesbahn im Modell. Grund genug, sowohl das Vorbild, als auch das Modell hier vorzustellen.

Mit Telegraphenmasten beladen, steht der neue Rmms 33 von Piko an der LadestraĂźe bereit.

Der Rmms 33 beim Vorbild

Der Rungenwagen des Gattungs- bezirkes „Ulm“ wurde aus dem Rs „Stuttgart“ weiter entwickelt und 1942 erstmals bei der Reichsbahn eingestellt. Wie auch beim „Stuttgart“ wendete man bei diesen Wagen die moderne Schweißtechnik an. Im Vergleich änderten sich nahezu alle Abmessungen.

 So verkĂĽrzte man die Länge der Wagen ohne BremserbĂĽhne um 10 cm auf 12,00 m und die der Wagen mit BĂĽhne sogar um 70 cm auf 12,10 m. Der groĂźe Längenunterschied bei den Wagen mit BĂĽhne war darauf zurĂĽckzufĂĽhren, dass die BĂĽhne nun nicht mehr zwischen Wagen und Puffern, sondern ĂĽber den Puffern angeordnet war. Diese Konstruktion war eines der charakteristischen Merkmale der Kriegsbauarten, die neben einer LängenverkĂĽrzung auch gleichzeitig eine Materialersparnis  brachte. Der Achsstand wurde ebenfalls verändert und verlängerte sich von sieben auf acht Meter. Opfer der verkĂĽrzten Gesamtlänge war die Ladelänge, die sich auf 10.580mm verringerte, während die Breite auf 2.680 mm anwuchs. Da die größere Breite den Längenverlust nicht kompensierte, verringerte sich die Ladefläche geringfĂĽgig von 28,50 m² auf 28,40 m². Vorteilhaft drĂĽckte sich die kĂĽrzere Gesamtlänge auf das Leergewicht der Wagen aus. So betrug das Gewicht des Wagens ohne BremserbĂĽhne 9.500 kg und das des Wagens mit BremserbĂĽhne 10.300 kg. Die Zuladung lag bei 24.500 kg und die Höchstgeschwindigkeit betrug 80 km/h.

Zur Montage liegen dem Modell die Rungen und Teile fĂĽr die Rungentaschen bei.

Das detailreiche Modell bedarf nur weniger Verfeinerungen.

Die Seitenwände waren anstatt 40 cm beim „Stuttgart“ nun 60 cm hoch und ebenfalls dreiteilig. Während die ersten Wagen noch Stahlseitenwände besaßen, musste während des zweiten Weltkrieges Material eingespart werden und so erhielten die Seitenwände senkrechte Holzfüllungen in Stahlrahmen. Die Seitenwände waren nach außen klappbar und gelenkartig durch Kastenhohlrungen mit dem Bodenrahmen verbunden. Gehalten wurden sie durch je zwei Drehrungen aus U-Profilen. Die Stirnwände bestanden in jeder Ausführung aus Stahl und stützten sich durch zwei Gleitrungen ab. Zusätzlichen Halt erhielten sie durch Überwurfhaken, mit denen eine Verbindung an den Wandoberkanten zu den Seitenwänden hergestellt wurde. Sowohl die Seiten-, wie auch die Stirnwände waren überfahrbar. Im Gegensatz zum „Stuttgart“, der die Belastung der Seitenwände nur über die Gelenke aufnehmen konnte, wurde die Konstruktion beim „Ulm“ so geändert, dass sich die Last über die Dreh- bzw. Gleitrungen auf den Bodenrahmen abtrug. Die Rungen der Stirnwände waren aus Stahl, während die der Seitenwände erst aus Holz bestanden und zum Ende der 40er Jahre gegen Stahlrungen ausgetauscht wurden. Zirka 30 Prozent der Wagen wies eine Bremserbühne mit einem versenkbaren und ebenfalls überfahrbaren Geländer auf. Versuchsweise erhielten einige der Wagen ein seitliches Handbremsrad, das dem Personal erlaubte, die Bremse auch bei umgeklapptem Geländer bedienen zu können. Der Wagenboden bestand aus 72mm dicken Kiefernholzbohlen und besaß zwölf Binderinge.

Am Oberwagen gefällt die Nachbildung der Anschlagösen unter den Ecksäulen nicht. Die Nassschiebebilder der Bremsecken müssen geteilt und beiderseits der Griffe angebracht werden.

Bei der Beladung wird zum Teil auf Fertigprodukte der Zubehör- industrie zurückgegriffen.

Die geschweiĂźte Konstruktion des Fahrwerks wurde durch ein diagonalsteifes Untergestell mit räumlichem Sprengwerk geprägt. Walzprofile der GĂĽteklasse St-37 bildeten das Material fĂĽr die Langträger, Quer- und Diagonalstreben. Im Gegensatz dazu waren die Achshalter und die Tragfederböcke angenietet. Die Federung ĂĽbernahmen Blattfedern mit einem Querschnitt von 120x16 mm und einer Länge von 1.200 mm. Sie waren in acht Lagen zusammengefasst und mit einer Einfachschakenaufhängung an den Tragfederböcken verbunden. Die Radsätze besaĂźen Gleitlager und die Räder hatten einen Durchmesser von 1.000 mm. HĂĽlsenpuffer mit Ringfedern (350 kN Endkraft) waren ebenso eingebaut, wie eine Hik-GP Bremse. Im Gegensatz zu den bisherigen Rungenhaltegestellen unterhalb der Ladefläche, besaĂź der „Ulm“ auf jeder Seite zwei Rungentaschen. Die groĂźe nahm die neun Rungen einer Seitenwand und die kleine die beiden Rungen der Stirnwand auf.

Der Blick auf das Revisionsdatum verrät das Epoche III – Modell. Beachtenswert, selbst der fast ganz verdeckte Langträger ist beschriftet.

Um den Wagen aufzurüsten, werden die Rungen aus den Rungentaschen unterhalb der Ladefläche entnommen.

Bis 1945 nahm die Reichsbahn ca. 10.400 Wagen dieser Gattung ab. Etwa ein Drittel kam zur DB und wurden als Rmms 33 mit Wagennummern ab 430 000 eingestellt. Da Anfang der FĂĽnfziger Jahre die meisten Wagen nur noch ohne Rungen eingesetzt wurden, aber ihre Rungenhalter behielten, benannte man diese Wagen ab 1954 zu Rmmso 33 um. Um der erhöhten Nachfrage nach Behälterwagen gerecht zu werden, rĂĽstete man in den Jahren 1955 und 1956 150 Wagen fĂĽr den Behältertransport um. Dabei wurden bei 120 Wagen die Seitenwände und Rungenhalter abgebaut und die Wagen zur Gattung Rmmso/BTms 33 umbezeichnet. Die anderen 30 Wagen behielten die Seitenwände und Rungenhalter und wurden als Universalwagen mit der Gattungsbezeichnung Rmms/BTms 33 eingesetzt. Mitte der 60er Jahre verloren schlieĂźlich fast alle Wagen die Rungenhalter und -taschen und erhielten die Gattungsbezeichnung Xltmm 33. Mit der EinfĂĽhrung der neuen Computerbezeichnung ab 1968 erhielten die Wagen  ohne Rungentaschen (Xtlmm 33) die neue Bezeichnung Klm 506, während die letzten ca. 30 Wagen mit Rungentaschen (Rmmso 33) die Bezeichnung Klm 441 erhielten. Sie wurden mit den Nummern 313 3 500 bis 313 7 060 ausgestattet. Bis 1970 veränderten sich die Bestandszahlen kaum. Jedoch nahmen dann die Zahlen deutlich ab und 1987 wurden die letzten Klm 506 fĂĽr den öffentlichen Verkehr ausgemustert. Einige Wagen haben noch im Baudienst mit gelber Baubinde und Gattungsbezeichnung U-x-151 bis 1996 ĂĽberlebt.

Der Rmms 33 von Piko

Das Modell stellt den Rungenwagen Rmms 33 in der Epoche III dar. Es trägt das Revisionsdatum 19.10.1956 und ist dementsprechend mit Stahlrungen ausgerüstet. Die Seitenwände sind denen der späteren Fertigung, also in der Kombination Stahl/Holz, nachgebildet. Leider sind nicht alle Abmessungen des Modells original längenverkürzt umgesetzt. Während die Länge über Puffer und der Achsstand nahezu den umgerechneten Massen entsprechen, ist die Ladelänge und –breite leicht verkürzt wiedergegeben. Dies ist auf die notwendige Materialdicke der Seitenwände zurückzuführen. Diese geringfügige Abweichung trügt den stimmigen Gesamteindruck des Modells jedoch nicht. So sind alle Elemente des Wagens sauber und scharfkantig ausgebildet. Selbst die Griffstangen an den Wagenecken und die Rangiergriffe unterhalb der Puffer wurden filigran mit einer Materialdicke von nur 0,5 mm bei den Griffstangen bzw. sogar nur 0,4 mm bei den Rangiergriffen nachgebildet. Dementsprechend empfindlich stellen sich diese Teile auch dar und bei einigen Modellen waren die Griffstangen leider bereits kaputt, als der Wagen aus der Verpackung genommen wurde.

Das Modell hat dem Revisionsdatum entsprechend Stahlrungen.

Ein besonderes Lob gilt PIKO fĂĽr die lupenreine Beschriftung des Modells.

Die Rungen weisen zwei feine Ă–ffnungen auf. Durch sie lassen sich die Niederbinder zur Sicherung der Ladung fĂĽhren.

In den 50er Jahren wurden einige Wagen ohne Rungen (Rmmso 33) im neueingerichteten Huckepackverkehr zum Fahrzeugtransport eingesetzt.

Die Seitenansicht zeigt die feine Gravur aller Details. So sind nicht nur die Drehrungen, die der Sicherung der Seitenwände dienen, sondern auch die Gelenke sehr filigran nachgebildet.

Hier ist PIKO anzuraten, den inneren Kunststoffträger zu überarbeiten. Aus der Verpackung sind auch die Zurüstteile zu entnehmen. So findet man in einem Kunststoffbeutel neben den vier Stirnwand- und achtzehn Seitenwandrungen die Rungentaschen und Nassschiebebilder für die Bremsecken.

Die Stahlrungennachbildungen weisen je zwei feine Löcher auf und sind passgenau gegossen. Sie lassen sich mit leichtem Druck in die Rungentaschen einführen und sitzen dann so fest, dass eine Verklebung nicht von Nöten ist. Anders bei den Rungentaschen. Diese sind in die im Untergestell vorhandenen Löcher einzukleben, um einen sicheren Halt zu gewährleisten. Die Bremsecken müssen mittig geteilt werden, da die Griffstangen an den Wagenecken im Wege sind. Beim Wagenkasten sei noch zu erwähnen, dass auf der Ladefläche, die mit einer Holzmaserstruktur dargestellt ist, zwölf Halteösen vorhanden sind. Im Gegensatz zu anderen Mitanbietern sind diese Ösen aber nicht in der Fläche, sondern auf der Fläche graviert. Dies verlangt nach einer Beladung, die an diesen Binderingen befestigt wird. Ansonsten sind sowohl die Hohlkasten- und Drehrungen an den Seitenwänden und die Gleitrungen an den Stirnwänden sauber wiedergegeben. Selbst die Überwurfhaken an den Wagenecken, die zur Verbindung der Stirn- mit den Seitenwänden dienen, sind sauber graviert. Nicht so sauber sind die Hülsenpuffer wiedergegeben. Sie wollen nicht so recht zur reich detaillierten und mit feinen Rangiergriffen und -tritten ausgestatteten Pufferbohle passen. Anders die Achshalter, die dem Vorbild entsprechend eine genietete Verbindung zum Langträger aufweisen. Auch die Federung, bestehend aus acht Blattfedern in einer Einfachschakenaufhängung, sowie die Achsnarbe und die Bremsen sind reich detailliert wiedergegeben. Leider kann da die Bremsanlage,

Zur Sicherung des Fahrzeuges werden neben Radkeilen auch Ketten, die an den Binderingen auf der Ladefläche angeschlagen sind, verwendet.

Einige SchienenstĂĽcke, Schwellen, Paletten, Hemmschuhe, Nagelplatten, Schotter und eine Werkzeugkiste dienen als Beladung fĂĽr den Baudienstwagen.

die im Halbrelief unter dem Wagen nachgebildet ist, nicht mithalten. Da diese aber auch in der Seitenansicht nur zu erahnen ist, lässt sich dies verschmerzen.Dafür sind die Bremsstellhebel und das räumliche Sprengwerk aus Walzprofilen filigran und scharfkantig wiedergegeben. Die Rungentaschen komplettieren den Unterwagen und es sei noch zu erwähnen, dass die Kurzkupplungskinematik mit den Normschächten sehr leichtgängig ist und genügend Luft zu den Rangiergriffen aufweist. Abschließend ist den Sonnebergern noch ein dickes Lob für die Beschriftung des Wagens auszusprechen. Diese ist lupenrein und vollständig aufgebracht. Selbst auf dem nahezu vollständig verdecken Längsträger sind alle Anschriften vorhanden. Nach diesem gelungenem Modell bleibt nun abzuwarten, mit welchen Varianten PIKO uns noch überraschen wird. Die mit einer Bremserbühne – mit oder ohne seitlichem Handrad – wird wohl in naher Zukunft zu erwarten sein, da dies, sowohl der Beipackzettel, als auch das Neuheitenblatt für das Jahr 2003 verrät Ob der Wagen auch in der Epoche II – Beschriftung, mit Holzrungen, ohne Rungenhalter, als Behälterwagen, in der Epoche IV – Beschriftung oder als Baudienstwagen mit gelber Bauchbinde erscheinen wird, liegt im Ermessen der Firma PIKO; jedoch lässt diese Fülle an Möglichkeiten hoffen.

Mit wenig Aufwand entsteht eine abgedeckte Heubeladung fĂĽr den Rungenwagen

Kleine Verfeinerungen am Modell

Nach diesen reichhaltigen Ausführungen zum Vorbild und Modell sollen die Verfeinerung nur am Rande erwähnt werden. So erhält die Pufferbohle nur Federpuffer (Weinert 8614) und die Rangiergriffe werden gegen 0,3mm Messingdraht ausgetauscht, um sie resistenter gegen Beschädigung zu machen. Rangiertritte aus Messingguss (Weinert 8718) komplettieren die Pufferbohle. Unterhalb des Wagens werden 0,5 mm dicke Messingdrähte zur Verbindung der Bremsenbacken und der Bremsstellhebel verwendet. Der Anbau des Lösezuges (Weinert 92704) stellt hier den Abschluss vor dem Lackieren des Unterwagens in schwarz dar. Am eigentlich perfekten Wagenkasten missfallen nur die Ösen unterhalb der Eckpfosten. Diese ersetzt man mit Messingätzteilen aus dem Weinert-Zurüstsatz 9254. In diesem Zusammenhang können auch eventuell defekte Griffe an den Ecken durch Messingdraht (0,4 mm) ersetzt und die Ecken dann in Rotbraun lackiert werden. Den Abschluss stellt hier das Aufbringen der Bremsecken als Nassschiebebilder dar. Vor dem Anbringen der Betriebsspuren bzw. Alterung sollten noch die Bremshebel und gegebenenfalls der Wagenboden farblich abgesetzt werden.

Ladegut fĂĽr den Rmms 33

 â€“ Im Rahmen dieses Beitrages wird zumeist auf fertige Beladungen aus dem Hause M&D oder frĂĽher vorgestellten Beladungen zurĂĽckgegriffen. So werden neben Telegra- fenmasten (43001), eine Kabeltrommel (42302) und kleine Betonrohre (44201), auch ein „Geheimnisträger“ (EK 2/2003) verladen. Anlehnend an den bei der DB mit den Rmms bzw. Rmmso 33 eingerichteten Huckepack-Verkehr wird auch ein Preiser-LKW (31311) verladen. Dabei kommen die Halteösen auf der Ladefläche zum Einsatz. Die gravierten Nachbildungen werden durch LösezĂĽge (Weinert 92704) ersetzt. Mit Ketten und Zurrhaken von Weinert wird der Lkw auf der Ladefläche gesichert. Eine andere Variante stellt eine abgedeckte Heubeladung dar. Ein zugeschnittener Styroporklotz mit seitlich aufgeklebtem Wintergras (3363) von HEKI täuscht die Ladung vor. Mit einer Plane aus einem leimgetränkten und farblich behandeltem Papiertaschentuch (siehe auch „Geheim- nisträger“ im EK 2/2003) wird die

Zum Ende ihrer Einsatzzeit wurden die Wagen meist im Baudienst eingesetzt.

Im Streiflicht werden die vielen filigranen Details des Modells sichtbar.

Ladung gesichert und mit Weinerts Gummilitze verzurrt. Natürlich lassen sich auch noch andere Güter verladen, jedoch sollte dabei die Zuladung von nur 24.500 kg berücksichtigt werden. Mit dem Modell des Rmms 33 ist wieder eine Lücke im Bereich des Wagenparks geschlossen worden. Die Firma PIKO hat die heutigen Fertigungsmöglichkeiten ausgeschöpft und ein gelungenes Modell erstellt. Mit Vorfreude dürfen die verschiedenen Modellversionen aus der Entwicklung des Vorbilds erwartet werden.

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