Kb(g)s 442-Planwagen

“Planwagen”

Wenn man etwas Ăśbung mit dem Modellieren der Planen hat, lassen sich auch verschiedene Szenen nachstellen

Holzstapel als Ladegut

Unser heimischer Rohstoff Holz wird von der Industrie zur Herstellung von Produkten und als Hilfsstoff für die Rohstoffbeschaffung oder die Produktion benötigt. Das Holz wird nach der ersten Bearbeitung meist als Langware in unterschiedlichen Dimensionen zu Stapeln verzurrt. Die Bahn transportiert diese Holzstapel auf Rungenwagen zu seinem Empfänger. Dabei ist das Holz der Witterung ausgesetzt und muss geschützt werden, da es auf Feuchtigkeit reagiert. Dieser Schutz besteht meist aus Abdeckplanen, die am Wagen verzurrt werden. In diesem Bericht wird ein Wagen mit seiner Beladung und diesem Witterungsschutz vorgestellt.

Rungenwagen Kb(g)s 442

Als Transportfahrzeug wurde der Rungenwagen Kb(g)s 442 ausgewählt. Dieser Wagen dient dem Vorbild vor allem zur Beförderung von Gütern mit großem Raumbedarf. Das Untergestell mit dem Sprengwerk besteht aus stählernen Walzprofilen. Die Stirn- und die Seitenwandklappen sind aus Stahlblech. Der Wagenboden ist mit dicken Kiefernbohlen belegt. Die Rungen der Stirnwände sind aus I-Profilen gefertigt, während die der Seitenwände aus Stahlblech geformt sind. Zahlreiche Ösen, Bügel und Binderinge stehen an den Seiten- und Stirnwänden zum Verzurren der Ladung oder der Abdeckplanen zur Verfügung.

Gerade diese Befestigungspunkte werden bei dem gewählten Roco-Modell (Nr. 46306) sauber und filigran wiedergegeben. Der Wagenkasten ist aus Kunststoff gegossen, während der Ladeboden aus Metall besteht, um dem Wagen das notwendige Gewicht zu geben. Dem Modell sind die Schilder für das Lastgrenzraster und die Anschriften, die Bremserbühne und die Rungen, als Zurüstteile, beigepackt.

Wer diesen Wagen als SchluĂźwagen im Zugverband laufen lassen will, kann ihn noch mit einer Bremskupplung und einer Kupplung versehen

ZurĂĽsten des Modells

Die farbliche Gestaltung der Betriebsspuren auf dem Wagen erfolgt mit einer Kombination von Pinsel und Spritzpistole

Nach dem Zerlegen des Modells und dem Abziehen der Originalpuffer folgt das Aufbohren der Pufferaufnahmen (auf 2,2 mm). Dabei dienen die vorhandenen Öffnungen, in denen die Puffer steckten, als Führungen. Unterhalb der Pufferbohle werden die Rangiergriffe aus 0.4 mm Messingdraht und gegenüber der Bremserbühnenseite ein Rangiertritt von Weinert (8690) montiert. Die vorhandenen Signalscheibenhalter werden gegen entsprechende Messinggussteile (Weinert 8261) ausgetauscht. Wer den Wagen als Schlusswagen im Zugverband fahren lassen will, sollte die Schlussscheibenhalter mit Loch (Weinert 8264) verwenden, um die entsprechenden Signalscheiben (Weinert 4204) vor der Abfahrt anzustecken. Zusätzlich kann diese Seite des Wagens noch mit einem Bremsschlauch und einer Originalkupplung ausgerüstet werden. Um später den Witterungsschutz an der Stirnseite des Wagens zu verzurren, sollte die angespritzte Öse in der Mitte der Stirnwand abgetrennt und durch einen „Kettenring“ der Fa.Bavaria (Roth) Art.-Nr.5.57 ersetzt werden. Alternativ ist es natürlich auch möglich, hier eine kleine Öse aus Draht einzusetzen. Als Puffer sind die Ausführungen mit einem Durchmesser von 5,2 mm (Weinert 8600) zu verwenden, da bedingt

Durch die unterschiedliche Form und Höhe der Holzstapel und die herunter gebundenen Schutzplanen bringt man mehr Abwechslung in einen Zugverband

durch die Länge des Wagens beim Vorbild Puffer mit dem großen Tellerdurchmesser von 45 cm montiert sind. Diese sollen verhindern, dass sich die Pufferteller in Kurven durch die große Auslenkung der Wagenenden verhaken. Bevor die Puffer mit den Sockelplatten (Weinert 8603) montiert werden, lackiert man die zugerüsteten Teile – Griffe, Tritt und Signalscheibenhalter - und die Sockelplatten „Rotbraun“ RAL 8012 (Weinert 2643).

Da sich die Rangiergriffe und die Sockelplatten unter der BremserbĂĽhne dem Blick des Betrachters entziehen, wurde dort auf diese ZurĂĽstung verzichtet. AbschlieĂźend mĂĽssen noch die beigefĂĽgten Beschriftungsfelder angeklebt, die BremserbĂĽhne montiert und die Rungen eingesteckt werden.

Farbliche Bearbeitung

Zuerst werden die Bremshebel und Zettelhalter farblich abgesetzt. Dann pinselt man mit matten Revell-Farben „Rost“ (Nr.83) und „Ziegelrot“(Nr.37) Ausbesserungsstellen auf die Seiten- und Stirnwandklappen. Um die Strukturen plastischer erscheinen zu lassen, lässt man verdünntes Schwarz (Nr.8) in die Fugen und Vertiefungen laufen. Nun trägt man nacheinander mit der Spritzpistole - von unten nach oben - einen rostigen Farbton (Modell Master „Leder“ Nr. 1736) und „basaltgrau“ (Revell 77) auf. Diese Farbaufträge können im Bereich des Fahrwerkes stärker und an den Seitenwänden nur schwach sein, um die ursprünglichen Farben und die Anschriften nicht zu überdecken.

Im Eigenbau aus verschiedenen Holzprofilen des Fachhandels sind diese auf der Laderampe lagernden Holzstapel entstanden

Sollte dies dennoch geschehen sein, so ist mit einem in Verdünner getränkten Wattestäbchen die Beschriftung vorsichtig wieder frei zu tupfen. Nun können noch zusätzlich „frische“ Ausbesserungsstellen (Nr.37) mit dem Pinsel aufgebracht werden. Zum Abschluss wird mit einem basaltgrauen, ausgewischten Kastenzungenpinsel leicht über das Modell gestrichen. Dadurch werden nur die Kanten abgesetzt und so auch kleinste Details hervorgehoben.

FĂĽr die Beladung des Planwagens kann auf verschiedene Holzstapel aus dem Hause M&D zurĂĽckgegriffen werden

Alternativ können im Selbstbau auch die Kaffeerührstäbchen eines namhaften Schnellrestaurants verwendet werden

Um die Holzlieferung vor den WitterungseinflĂĽssen zu schĂĽtzen, wird sie mit einer Plane abgedeckt

Ladegut Holzstapel

Die einfachste und schnellste Möglichkeit eine Holzbeladung für den Kb(g)s 442 zu erhalten ist, auf das Sortiment der Firma M & D aus Cham zurückgreifen. Mit den Artikeln „Bretterstapel“ (Nr. 42501 und 42502) und „Balken- und Bretterstapeln“ (Nr. 42601) lässt sich die passende Beladung mühelos zusammenstellen. Die Stapel sind sehr fein und sauber gearbeitet. Leider schlägt sich dies auch auf den Preis nieder der den des Wagenmodells sogar noch übersteigt. Beim Selbstbau kann man auf unterschiedliche Profile - z.B. 1x1, 1x2, .... mm - aus dem Fachhandel zurückgreifen. Diese Art ist preiswerter, aber auch zeitaufwendig, da man, je feiner das Profil ist, viel Material und somit auch viel Zeit benötigt.

Oben: Zur Arbeitserleichterung wird der von der “Plane” verdeckte Holzstapel aus einem Stück Vollholz erstellt. Mit Stahlbändern aus schmalen Klebebändern werden die einzelnen Stapel und dann die Verladeeinheit zusammengehalten

Zwischen der Form und dem Papiertaschentuch wird Frischhaltefolie als Trennlage aufgezogen. Mit einem  Pinsel und einem Zahnstocher kann die “Plane” nach dem Bestreichen mit wasserverdĂĽnntem WeiĂźleim modelliert werden.

Eine preiswerte, nicht so zeitraubende, allerdings auch nicht so filigrane Möglichkeit zeigte Horst Meier in seinem Artikel „Gut Holz“ im Märklin Magazin 5´97. Er verwendete Kaffee-Umrührstäbchen eines namhaften - etwas anderen - Schnellrestaurants, um daraus die Bretterstapel herzustellen. Diese Stäbchen sind zwar mit ca.6 mm recht breit (Vorbild 52,2 cm !!), aber da sie zum Teil von der Plane verdeckt sind, lässt sich dies verschmerzen. Für die Stapel werden die Stäbchen auf 65 mm abgelängt und in Blöcken von ca. 25 x 13 mm (Außenabmessung) zusammengeklebt. Als Zwischenhölzer dienen schmale, dünne Pappstreifen (~ 0,3mm Dicke), die vorher mit verdünntem „Ocker“ (Nr. 88) eingefärbt werden. So entstehen pro Stapel 9 Lagen mit je 4 Stäbchen, die auf 1,5 x 1,5 mm dicken Lagerhölzern ruhen. Als Kleber wurde Pattex Sekundenkleber „Supergel“ verwendet. Dabei sind die einzelnen Lagen nach dem Verkleben bis zum Aushärten mit einem Eisenklotz beschwert worden. Eine Beladung besteht aus 2 Blöcken mit je 2 Stapeln übereinander. Um die Arbeit zu erleichtern, sind die obersten Stapel, die durch die Plane abgedeckt werden, durch Vollholzklötzchen ersetzt. Mit „Stahlbändern“ aus Letraset-Bändern (0,5mm breit), werden die Stapel einzeln und untereinander verzurrt. Die Verschlüsse entstehen aus kurzen Stücken (0,7 mm breit) und werden mit einem roten Farbtupfer markiert. Die Bänder sind in gut sortierten Fachgeschäften für Bürobedarf erhältlich. Um Abwechselung in die Beladungen zu bekommen, können die Abmessungen und Formen der einzelnen Stapeln variiert werden.

Die Plane wird mit unterschiedlichen Airbrush-Farben koloriert. Mit einem weiĂźen ausgewischten Katzenzungenpinsel betont man alle Kanten der Plane

Die Abdeckplane

Mit einer Nadel wird Silber an den Rändern der Bohrung in der Plane abgestreift. In diese “Ösen” wird die Gummilitze eingezogen und die Plane verzurrt.

Das organische Holz kann auf die verschiedenen Witterungseinflüsse, denen es beim Transport ausgesetzt ist, mit Verformung der Profile reagieren. Ursachen dafür sind Sonne, Wind und Regen, die zu Veränderungen des Feuchtigkeitsgehaltes im Holz führen und so die Verformungen auslösen. Um dies zu vermeiden bzw. so gering wie möglich zu halten, sollte das Holz bei seinem Transport gegen diese Einflüsse durch eine Transportplane geschützt sein.

Nachdem die Holzstapel verladen und mit einer Schutzfolie versehen sind, können sie in den Zugverband eingestellt werden.

Für unser Modell lässt sich eine solche Plane leicht aus einem zugeschnittenen, handelsüblichen Kosmetik- oder Papiertaschentuch herstellen. Will man die Holzstapel bei der Herstellung der Plane nicht der Gefahr einer Beschädigung aussetzen, so ist eine Form in der Abmessung und Gestalt der Holzstapel vorzubereiten. Auf dieser Form kann das Tuch nach dem Bestreichen mit Klebstoff trocknen und erhärten. Dazu wird zuerst die Form mit einer dünnen Frischhaltefolie überzogen. Sie dient als Trennlage und verhindert, dass das Tuch nach dem Austrocknen des Klebstoffs an der Form festklebt. Nun wird das Tuch zugeschnitten, auf die Form gelegt und mit wasserverdünntem Holzleim (z.B. Ponal Express) bestrichen. Mit dem Pinsel und einem Zahnstocher lässt sich das Tuch vorsichtig in Falten legen oder anformen. Nach dem Durchtrocknen nimmt man es von der Form und entfernt die Trennfolie. Danach erhält die Plane erst einen schwarzen, dann einen hellgrauen Farbauftrag mit der Spritzpistole. Hierzu werden deckende „Hansa“-Airbrushfarben verwendet. Sie sind auf Wasserbasis und greifen die Abdeckplane nicht an. Um die Tiefenwirkung zu verstärken, ist darauf zu achten, dass die Innenseiten der Falten beim Auftrag des Hellgrau dunkel bleiben. Dem Grau wurde, da es aus weiß und schwarz gemischt ist, ein Tropfen gelb beifügt damit es nicht zu hart (blau) wirkt. Danach werden mit einem ausgewischten mittleren Katzenzungenpinsel die Kanten und Falten der Plane weiß hervorgehoben.

Dies bringt auch kleinste Falten zum Vorschein und erhöht die plastische Wirkung. Nun werden an den Stellen, an denen man die Zurrleinen befestigen möchte, Löcher (0,5mm) in die Plane gebohrt. Um Metallösen vorzutäuschen tunkt man eine Nadel in „Silber“ (Revell Nr.90) und steckt sie kurz in die Bohrungen. So wird an den Seiten der Öffnung etwas Silber abgestreift und schon erhält man den Eindruck das Loch wäre durch eine Metallöse gefasst.

Beladen der Wagen

Nachdem nun Wagen, Beladung und Witterungsschutz fertig sind, können sie zusammengestellt werden. Dazu klebt man erst die Holzstapel mit Sekundengel auf den Wagenboden. Die Plane wird auf den Stapeln mit doppelseitigen Klebeband fixiert und mit der feinen Gummilitze von Weinert (Art.-Nr. 7213) verzurrt. Ein Tropfen Sekundenkleber verhindert das sich die Knoten der Litze lösen. Die weißen „Leinen“ erhalten einen ockerfarbenen Anstrich (Revell Nr.88). Dann ist der Wagen mit der Beladung fertiggestellt und kann nun bei „Wind und Wetter“ seinem Empfänger entgegenrollen.

NatĂĽrlich lassen sich die Planen auch fĂĽr andere GĂĽter oder Werkstoffe verwenden. Einige Anregungen werden in KĂĽrze in einem weiteren Beitrag vorgestellt.

Die Öse in der Mitte der Stirnwand ermöglicht die Sicherung der Plane an der Kopfseite

Die Holzstapel unter den Planen können in ihrer Form, Höhe und Länge variiert werden

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