Kaelble DB-Zugmaschine K631 ZR 53 und 12-rädriger Straßenroller R42

Nicht alle Güterbahnkunden verfügen über einen Gleisanschluss. Während heute ein Großteil der gesamte Logistik auf die Straße verlagert ist, galt es früher, diese Lücke zwischen Schiene und Kunde zu schließen. Eine Lösung bot der Einsatz von sogenannten „Straßenrollern“. Sie ermöglichten den Transport von kompletten Waggons auf einem LKW-Anhänger. Auf sie wurden die leeren oder vollen Güterwagen verladen und mit Hilfe kurzer, aber starker Zugmaschinen, dem Empfänger zugestellt. Dieser Beitrag beschreibt den Bau eines interessanten Gespanns von Weinert.

Das Vorbild

Als Zugmaschine ist ein kompakter, zweiachsiger LKW des Fabrikats „Kaelble K631 ZR 53“ ausgewählt worden. Er besitzt eine kleine Ladefläche, auf der Gewichte ihren Platz finden. Diese sind notwendig, um die Kraftübertragung auf die Straße und damit die Zugkraft zu verbessern. Der DB-Straßenroller „R42“ besitzt zwölf Räder mit jeweils separaten Aufhängungen. Eine ausgefeilte Technik sorgt dafür, dass sich die Räder in einem unterschiedlichen Winkel ausstellen, wenn die Deichsel ausgelenkt wird. Dabei nimmt der Winkel der Räder zu den Enden des Straßenrollers bei eingeschlagener Deichsel zu. So wird in den Kurven der Rollwiderstand des durch den Waggon belasteten Straßenrollers nicht erhöht und die Wendigkeit des Gespanns verbessert. Diese Mechanik kann mit etwas Aufwand auch im Modell nachgebildet werden.

Die Zugmaschine

Oben: Um die Lücke zwischen Gleis und Kunden zu schließen, wurden früher oft Straßenroller mit starken Zugmaschinen eingesetzt

Unten: Hauptsächlich aus Weißmetallteilen besteht der Bausatz der Zugmaschine

Beide Modelle entsprechen in ihrer Ausführung dem Baujahr 1953. Die Zugmaschine besteht hauptsächlich aus Weißmetallteilen. Sie gliedert sich in drei Hauptbaugruppen: Führerhaus, Pritsche und Chassis. Das Führerhaus erhält mehrere Ausstattungsteile aus Messingguss. So sind die Kupplung, Peilstangen, Scheinwerfer, Winkel, Schalthebel und der Spiegel zuzurüsten. Während die Pritsche aus fünf Teilen besteht und keine Ausstattungsteile erhält, ist das Chassis aus mehreren Bau- und Zurüststeilen zusammenzufügen.

Der Bausatz bietet die Möglichkeit, die Vorderachse beweglich einzubauen. Dazu ist eine Einzelradaufhängung mit einer Spurstange zu montieren. So sind auch Kurvenfahrten vorbildgerecht darzustellen. Der Arbeitsfolge, der sehr ausführlichen und umfassenden Bauanleitung, ist Folge zu leisten, da einige Bau- bzw. Zurüstteile sinnvoller weise erst später montiert werden sollten. Nach dem Lackieren der Baugruppen ist das Modell zusammenzufügen und zu beschriften. Die Beschriftung, in Form von Abziehbildern, lässt sich leicht aufbringen und legt sich gut an das Modell an. Jedoch ist auch die entsprechende Vorsicht geboten, da die Trägerfolie sehr dünn ist. Sollte es trotz aller Vorsicht nicht gelingen, so ist dieser Beschriftungssatz auch im normalen Weinert-Sortiment zu finden. Zu den letzten Arbeitsschritten gehört das Einfügen des Fahrers, die Montage der angepassten Fenstereinsätze und Scheibenwischern, und das Beladen der Zugmaschine mit den Gewichten.

Oben: Um die Enden der Messingguss-Zapfen und Stelldrähte flach zu drücken, leistet die Weinert-Flachzange gute Dienste

Die vielen Gelenke und Stelldrähte lassen die ausgeklügelte Technik des zusammengebauten Straßenrollers erahnen

Oben: Von unten lässt sich die Mechanik am besten erkennen. Eine Vielzahl von Gelenken und Stelldrähten ermöglicht die unterschiedliche Auslenkung der Räder.

Links: Die Zugmaschine gliedert sich in drei Hauptgruppen: Führerhaus, Pritsche und das Chassis.

Oben: Aus relativ wenigen Messinggussteilen besteht der bausatz des Straßenrollers

Unten: Eine selbst gefertigte Biegeplatte ist sehr hilfreich, um die Stelldrähte gleich lang zu biegen

Der Straßenroller

Der Straßenroller besteht, bis auf die Weißmetallräder, aus Messingschleuderguss. Schon in der Einleitung der Bauanleitung wird darauf hingewiesen, dass man mit etwas Geduld und Zeit die Mechanik zur Auslenkung der einzelnen Räder nachbauen kann. Aber keine Angst, die Bauanleitung und die beigefügte Explosionszeichnung machen diesen Aufwand zu einem kurzweiligen Bastelvergnügen. Wie gewohnt, sind alle Teile beider Bausätze sehr passgenau und die Nacharbeit beschränkt sich auf das Aufbohren der vorgegebenen Öffnungen und das Befeilen der Angüsse. Da für die Ausführung der Mechanik eine Vielzahl von gleichlangen Drähten gebogen werden muss, ist es ratsam, sich eine „Biegeplatte“ zu fertigen. Dies ist eine Metallplatte (Alu oder Messing) in welche, mit dem entsprechenden Abstand zum Rand, Löcher gebohrt werden.

Bei ausgeschwenkter Deichsel stellen sich die Räder in einen unterschiedlichen Winkel zum Rahmen. So wird in den Kurven der Rollwiderstand nicht erhöht

Die Abstände zum Rand werden durch die Abmessung der Biegeform der Drähte bestimmt. So wird gewährleistet, dass alle Drähte, die die gleiche Abmessung haben sollen, auch gleich sind. Dies ist notwenig, damit die Mechanik einwandfrei funktioniert. Ebenso ratsam ist der Erwerb einer Weinert-Flachzange (2314). Diese benötigt man zum Flachdrücken der Zapfen und Stelldrähte. Mit dieser Verfahrenstechnik wird die Beweglichkeit der Mechanik ermöglicht. Zudem ist beim Thema Schiene/Straße der nächste Bahnübergang nicht mehr weit. Und wer das filigrane Gehänge einer Weinert-Bahnschranke auf seiner Modellbahn bestaunen möchte, kommt um den Kauf dieser Flachzange sowieso nicht herum. Zum ersten Einsatz kommt die Zange nach dem Zusammenfügen der Rahmenteile. Dann werden die Messinggusszapfen zur Fixierung der einzelnen Achslager flachgedrückt. Gleiches gilt für die Stelldrähte, die zwischen den Radlagern und den Gelenken, bzw. zwischen den verschiedenen Gelenken eingebaut werden.

Im unlackierten Zustand wird der Unterschied zwischen der bulligen Zugmaschine und dem filigranen Straßenroller sehr deutlich

Auch diese werden nach dem Einbau an ihren Enden flachgedrückt. Es ist ratsam, mit dem Einbau eines jeden neuen Stelldrahtes die Stellung der Räder zu überprüfen. So sollen bei gerader Deichselstellung alle Räder gerade, das heißt parallel zum Rahmen stehen. Mit größer werdendem Einschlag der Deichsel muss auch der Ausstellwinkel der Räder zunehmen. Dabei ist die Mechanik so ausgerichtet, dass die äußeren Räder einen größeren Winkel beschreiben als die inneren. So wird der Winkelausschlag der Räder zur Mitte des Straßenrollers bei

An der Zugmaschine läßt sich die Vorderachse auslenken. So können auch Kurvenfahrten vorbildgerecht dargestellt werden

Der Betriebsalltag

Nachdem die Modelle fertiggestellt sind und sie in der Modellwelt zum Einsatz kommen, kann noch die eine oder andere Betriebsspur angebracht werden. Dabei sollte man sich bei der Zugmaschine auf geringe Nutzungsspuren beschränken, da diese Fahrzeuge im allgemeinen gut gepflegt waren. So ist es ausreichend, mit einem ausgewischtem, grauen Katzenzungen-pinsel, nur die erhabenen Konturen des Modells hervorzuheben. Anders ist es mit dem Straßenroller. Auf ihm können sich auch Verschmutzungsspuren in Form von Roststaub- oder Schmutzablagerungen befinden, jedoch sollte man vorher die Konturen des Straßenrollers mit verdünntem Schwarz hervorheben.

Mit solch einem langen Gespann auf der schmalen Rampe will auch das Rangieren gekonnt sein

Bis auf den Vollgummibelag der Räder und die Rücklichter wird der Straßenroller einheitlich grau lackiert

links: Der Straßenroller wird neben den Gebrauchsspuren auch mit Schmutz- und Rostablagerungen versehen.

voller Auslenkung der Deichsel immer geringer. Das klingt komplizierter als es tatsächlich ist. Aber mit etwas Geduld, der Biegeplatte und der Flachzange, lässt es sich leicht bewerkstelligen. Die Lackierung ist bis auf die Räder einfarbig gehalten. Für die Räder empfiehlt es sich, diese zum Lackieren auf Zahnstocher zu stecken und die Vollgummibeläge mit einem Pinsel nachzustellen. Mit der farbigen Markierung der Rücklichter ist auch dieses Modell fertiggestellt. Leider befindet sich im Lieferumfang kein Nummernschild, so ist hier Eigeninitiative gefordert.

Gut gesichert macht sich das Gespann auf den Weg vom Gleis zum Kunden

Mit einigen Hemmschuhen, Zurrhaken und Gummilitzen von Weinert wird der Waggon auf dem Straßenroller gesichert

Nun lassen sich die beiden Modelle zu einem Gespann zusammenfügen und gegebenenfalls mit einem Waggon beladen. Jedoch sollte man dann auch an die Sicherung der Ladung denken. Dafür sind dem Straßenroller keine Teile beigefügt. Aber mit einigen Hemmschuhen, Zughaken und etwas Gummilitze aus dem Hause Weinert wird dies leicht möglich. Ob mit einem Wagen beladen oder unbeladen, auf jeden Fall wird das Gespann jeden Straßenverkehr beleben und für einen neuen Blickfang sorgen.

Die Zugmaschine wurde nur mit einigen Gebrauchsspuren versehen

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