-Kreideanschriften an Güterwagen und Ladegut-

Jedem sind sie beim Betrachten von Güterwagen schon einmal aufgefallen – „Kreideanschriften“ Oft scheint es eine willkürliche Aneinanderreihung von Ziffern oder Buchstaben oder eine Kombination von beidem zu sein. Wie sich diese Anschriften leicht und individuell in der Modellwelt anbringen lassen, wird hier gezeigt.

Zur Arbeitserleichterung notieren die Bahnbediensteten auch im Modell kurze Informationen provisorisch mit Kreide auf dem Güterwagen

Kreideanschriften beim Vorbild

Offiziell sind die Kreideanschriften auf den Seitenwänden der Güterwagen gar nicht existent. Keine Dienstvorschrift kennt sie und doch sind sie mehr als nützlich und aus dem Güterverkehr nicht mehr wegzudenken. Diese von Hand aufgetragenen Zeichen haben einen provisorischen Charakter und vereinfachen dem Bahnpersonal den zu verrichtenden Dienst. So werden Zugnummern, Zielbahnhöfe oder Empfänger notiert. Aber auch einfache Hinweise, wie „leer“, „voll“ oder „defekt“ sind auf den Wagen zu finden. Meistens wird die Anschrift nur einmal gebraucht und so bietet sich die Verwendung von Kreide an, da sie schnell abwittert und nicht dauerhaft ist. Natürlich findet sich neben den für den Eisenbahnbetrieb wichtigen Hinweisen auch „Unnützes“, wie Liebesschwüre, Strichmännchen oder Sonstiges auf den Wagenwänden wieder.  Außer auf Güterwagen und eigentlich allen Flächen im Bahnbereich sind Kreideanschriften aber auch noch auf anderen für die Bahn interessanten Gegenständen zu finden. Dies sind die Beladungen. Auf ihnen können neben dem Empfänger oder Absender auch ladungsspezifische Informationen, wie Längenmaße, Gewichte oder Chargennummern  vermerkt sein. Der Hintergrund für alle Kreideanschriften ist gleich. Es soll eine Information schnell und unkonventionell für eine kurze Zeit provisorisch angebracht werden.

Kreideanschriften im Modell

Eine Möglichkeit, um die „Kreide- anschriften“ filigran zu verwirklichen, ist die Verwendung eines Tuschestiftes mit weißer Tusche. Die Firma Rotring führt in ihrem Sortiment die Tuschestifte „Isograph“. Diese gibt es mit unterschiedlichen Schriftbreiten. Als kleinste, verwendbare Schriftbreite für weiße Tusche empfiehlt die Firma Rotring 0,25 mm. Verwendet man Stifte mit geringerer Schriftbreite, so verstopfen diese ständig, da die weißen Farbpigmente zu groß sind. Nach dem Motto „Versuch macht klug“ haben Versuche dies auch immer wieder bestätigt. So waren Stifte mit kleineren Schriftbreiten, z.B. 0,18 mm, nur kurz oder gar nicht zu verwenden, da sie immer wieder verstopften. Jedoch lassen sich auch mit Schriftbreiten von 0,25 mm filigrane Anschriften aufbringen.

Mit weißer Tusche und einer Schriftbreite von 0,25 mm werden mit einem Isograph der Firma Rotring die „Kreideanschriften“ aufgebracht

Diese Beispiele des Vorbildes sind eine willkommene Anregung um sie auch im Modell umzusetzen

Außer auf Güterwagen findet man auch auf Beladungen Kreideaufschriften um diese vorübergehend zu kennzeichnen oder Informationen weiter zu geben

Neue und alte Anschrift

Das zu beschriftende Modell wird nach dem Zurüsten, Lackieren und Altern auf eine Lokliege gelegt und mit ruhiger Hand beschriftet. Dabei sind alle Kombinationen erlaubt und der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Der Blick auf die Bilder der letzten Fotojagd an den Abstellgleisen des Vorbildes geben bereits einige Anregungen. Jedoch sind nicht alle Anschriften auf einem Wagen neu und da Kreide nicht witterungsbeständig ist, sind auch die unterschiedlichen Altersgrade darzustellen.

Um „alte“ Anschriften darzustellen benutzt man einen mit grauer Farbe versehenen, angewischten Katzenzungen-Pinsel

Natürlich lassen sich diese Anschriften auch auf andere Beladungsformen übertragen und die Modelle noch realistischer erscheinen

Dies kann auf verschiedene Weise geschehen. Zum einen kann man die Anschrift mit einem ausgestrichenen Katzenzungenpinsel mit grauer Farbe (z.B. Revell Nr.77) vorsichtig überstreichen. So wird das Weiß gebrochen und die Anschrift wirkt ein wenig feiner und etwas unauffälliger. Eine andere Art bietet die Verwendung von Farbpulver von z.B. Rainershagener Naturals aus Minden. Je nach Intensität lassen sich unterschiedlich „alte“ Anschriften darstellen. Dabei sollte man auch nicht vergessen, dass alte Anschriften auch oft durchgestrichen werden, um keine Verwirrung aufkommen zu lassen. Dies ist realistisch und beschreibt die möglichen Variationen. Aber auch die Modellladegüter lassen sich vorbildgerecht beschriften. Hier bieten sich vor allem alle Varianten von Stahlbeladungen an. In den Beiträgen „Stahltransporter (5/97) und „Stangen und Brammen“ (9/97) wurden bereits einige Beispiele, wie auf den nebenstehenden Bildern zu sehen ist, vorgestellt. Mit einer Anschrift versehene Wagen oder Beladungen werden durch die individuelle Beschriftung zu Unikaten und bringen Abwechselung in den Güterverkehr.

Offiziell kennt der Eisenbahner sie nicht, aber sie sind beim Vorbild auf fast jedem Wagen zu finden. Im Modell bietet ein mit Kreideanschriften ausgestatteter Wagen Abwechslung und wird zugleich ein Unikat.

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